Was bitte ist ein „Kafenion“?

Ein karg eingerichteter Raum, bastbezogene, etwas wackelige Holzstühle um einen Tisch aus Blech, ein kleiner Fernseher an der weiß gekalkten Wand, ein Regal mit Tavli-Spielbrettern – eigentlich ungemütlich und dennoch rund um die Uhr gut besucht. Das Kafenion ist ein typisch griechisches Motiv und gehört seit jeher zu jeder griechischen Gemeinschaft.

Vormittags in einem Kafenion auf KretaSei es im Dorf oder in der Stadt, an jedem zentralen Platz – Platia findet man mindestens eins, oft mehrere Kafenia. Für Touristen wirken sie erst mal wenig einladend. Und wer einen Platz sucht, an dem er bei einer exotischen Kaffeespezialität mit seinem Tablet im Internet surfen will, sollte hier auch besser nicht einkehren. Wer aber gern ein unverdorbenes Stück ursprünglichen Griechenlands erleben möchte, ist herzlich eingeladen und wird als Gast in die Kafenion-Gemeinschaft aufgenommen.

Ein Kafenion lebt nämlich nicht von dem „besonderen Ambiente“ oder vom Design seiner Einrichtung. Auch die Auswahl der Speisen und Getränke ist minimalistisch und sagt nichts über die Qualität des Kafenion aus. Die Menschen, die hier – meist täglich – ihre Freizeit verbringen, erfüllen es jedoch mit ihren Geschichten.

So hat das Kafenion besonders für die älteren Griechen eine besondere Bedeutung. Hier kennt man sich, hier trifft man sich, spielt, diskutiert, und zwar lautstark und ohne die Ehefrauen über politische oder die Gemeinschaft betreffende Themen. Hier trinkt man natürlich auch seinen Kaffee, in der Regel griechischen Kaffee, wobei der Kafetzis, der Betreiber des Kafenion, die genauen Zubereitungswünsche seiner Stammgäste kennt. Abends schaut man dann noch einmal auf einen Tsipouro vorbei und lässt bei einem Meze den Tag ausklingen.

Besonders auf dem Land waren die Kafenia früher zentraler Anlaufpunkt für jede Art von Information. Sie verfügten oft über das einzige Telefon im Dorf, später dann über einen Fernseher, um den sich die Zuschauer scharten, wenn es etwas zu sehen gab. Wer etwas über das Dorf oder einen Bewohner wissen wollte, kam hierher. Das Kafenion war vor der Einführung der Massenmedien das „Internet“ für die Griechen und daher aus der Gesellschaft nicht wegzudenken.
Auch heute noch lieben die Griechen das Ausgehen und das gemeinsame Kaffeetrinken. Aber die junge Generation bevorzugt schicker eingerichtete Cafeterien mit WiFi. Hier treffen sich die modernen „Parees“ – Cliquen in gemischten Runden und kommunizieren auf ihre Art.

Das Kafenion ist heute eine vom Aussterben bedrohte Geschäftsform und es lohnt sich auf jeden Fall, im nächsten Griechenlandurlaub einmal hineinzugehen und einen köstlichen Elliniko, einen echten griechischen Kaffee -den „Kafé Ellenikos“ zu genießen.

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Wer ist Maria-Efthalia?

Maria-Efthalia Tsoukis ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

2 Kommentare

  1. […] sitzen die griechischen Männer gerne im Kafenion und trinken stundenlang Kaffee. Entweder kleine […]

  2. […] paar Besonderheiten der griechischen Kultur geboten. Und was würde sich in diesem etwas anderen Kafenion dafür besser eignen, als Geschichten darüber zu erzählen? Zum Beispiel die vom Jorgos (ein […]

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