Oliven auf Korfu

Von oben betrachtet, sieht Korfu wie ein einziger, großer Wald aus. Tatsächlich ist über die Hälfte der Fläche der Insel mit Olivenbäumenbäumen bedeckt. Warum gibt es auf Korfu so viele Olivenbäume? Und was geschieht mit den Oliven und mit dem Olivenöl – warum findet man in den Supermärkten nur selten „Korfiotisches Olivenöl“?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man in die Geschichte der Insel zurückgehen…

OlivenzweigAls eines der wenigen griechischen Gebiete wurde diese nie von den Türken erobert. Aber vier Jahrhunderte lang (1386 – 1797) wurde Korfu von den Venezianern regiert. Die Einwohner, vor allem der Dörfer waren von den Venezianern abhängig. Mitte des 16. Jahrhunderts begann Venedig, den Anbau von Olivenbäumen durch Zahlung einer Pflanzprämie zu finanzieren. So wollten sie die Versorgung Venedigs mit Olivenöl sicherstellen, legten aber auch den Grundstein zur wirtschaftlichen Zukunft der Insel. Nach und nach wurden die Weinanbaugebiete, die bis dahin den Großteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse darstellten, durch Oliven ersetzt. Dieser finanzielle Anreiz führte schließlich dazu, dass sich Korfu zu einer gigantischen Fläche Olivenwald entwickelte – es entstand quasi eine riesige Oliven-Monokultur.

Und heute? Wie sieht es mit der Qualität des Olivenöls aus?

Man schätzt die Zahl der Olivenbäume auf etwa 4 Millionen, diese produzieren etwa 3% des weltweit erzeugten Olivenöls. Viele der Olivenbäume denen man auf Korfu begegnet, stammen noch aus der Zeit der Venezianerherrschaft. Jahrhundertelang wurden sie nicht beschnitten, sie wuchsen in die Höhe und erreichen heute zum Teil beeindruckende Höhen. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, die Oliven – wie normalerweise üblich – in grünem Zustand direkt vom Baum zu pflücken.

Also wartet man, bis die Oliven reif und schwarz werden und von selbst herunterfallen. Um das Auflesen zu erleichtern, breiten die Olivenbauern stabile Plastiknetze unter den Bäumen aus. Sobald sie mit Oliven bedeckt sind, werden diese zu Haufen zusammengerüttelt und dann in Säcke geschüttet. Diese Erntemethode ist anstrengend, zeitintensiv und trägt leider nicht zur Qualität der Öle bei. Denn bis auf den Netzen genügend Oliven liegen, verweilen sie tagelang auf dem winterlich feucht-kalten Erdboden, werden matschig und ihr Säuregehalt steigt. So weisen korfiotische Oliven objektiv gesehen keine guten Qualitätsmerkmale auf und das meiste auf Korfu produzierte Öl wird nach Italien exportiert, wo es veredelt wird und als Italienisch verkauft wird.

Trotz allem ist das Olivenöl Korfus etwas Besonderes: Es ist gold statt grün, es hat einen herzhaften, erdigen Geschmack, der sich deutlich von dem etwas bitteren Geschmack der grünen (aus unreif geernteten Oliven entstandenen) Öle abhebt. Und so würde sicherlich kein korfiotischer Olivenbauer sein eigenes Öl gegen ein kretisches „Extra Vergine“ eintauschen.

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Wer ist Maria-Efthalia?

Maria-Efthalia Tsoukis ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

2 Kommentare

  1. Marion sagt:

    Interessant, etwas mehr über Korfus Olivenbäume zu erfahren. Ich habe eben die Insel besucht und beobachtet, wie derzeit das Unkraut unter den Bäumen gemäht wird, um dann die Netze auszubreiten. Obwohl die Oliven selbst noch grün und recht klein sind. Wo werden sie dann zur Ölpressung hingebracht?Ich war einige Tage per Auto und Fahhrad unterwegs und habe viele Dörfer gesehen, aber mir ist keine Ölmühle aufgefallen. Geschieht das Mahlen und Pressen noch in kleinen Pressen oder an zentralen Stellen?
    Das wäre noch eine wissenswerte Zugabe in dem Artikel.
    Danke! Marion

    • Tommy sagt:

      Kalimera Marion,
      die meisten Oliven auf Korfu bleiben so klein – nicht wenige sind auch grün, wenn sie reif sind. Praktisch jede größere Kreisstadt hat eine Ölmühle. Die liegen dann meist an einer der Hauptstraßen, sind in ganz schmucklosen Zweckbauten untergebracht und erinnern mich immer an die Verladestation eines Getränkegroßhandels. Wenn man nicht weiß, dass da eine ist, fährt man da ganz sicher einfach vorbei!

      Liebe Grüße
      TOMMY

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