Was sind „Panigiria“?

Je näher der Sommer rückt, um so häufiger findet man die Ankündigungsplakate für die Panigiria, die traditionellen Volksfeste. Diese werden in allen Regionen Griechenlands mit Leidenschaft gefeiert. Volksmusik, traditionelle Tänze, Souvlaki, Wein und viele Leute sind das, was wir heute mit diesen Festen verbinden. Was hat es aber mit dieser Art zu feiern wirklich auf sich?

Historie
Die Griechen haben schon seit der Antike einen Hang zum Feiern. Damals schon gab es Versammlungen, bei denen die Musik und der Tanz im Vordergrund standen. Immer handelte es sich dabei um eine religiöse Handlung. Im byzantinischen Zeitalter führte die christliche Kirche diese Tradition weiter. Anlässlich verschiedener christlicher Feiertage wurde im Anschluss an die kirchliche Zeremonie ein Volksfest veranstaltet.

Nach und nach bekamen die Panigiria neben ihrer religiösen auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Hier wurden wichtige Handelsmärkte veranstaltet. Güter, die in der Region produziert wurden, vor allem aber auch Nutztiere, wurden auf den Festen umgeschlagen.

Im Laufe der Jahre hat sich der Charakter dieser Feiern nach und nach verändert. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren sie jedoch noch bedeutsame Ereignisse. Sie unterbrachen das alltägliche, eintönige Leben der Dorfbewohner und boten Gelegenheit sich in Form von Musik und Tanz zu präsentieren. Vor allem für junge Mädchen war ein Panigiri oft die einzige Möglichkeit, sich von ihren besten Seiten zu zeigen.

Kirche
Auch heute noch ist ein religiöser Feiertag der häufigste Anlass für ein Panigiri. Oft werden die Kirchweihfeste nach der Litanie auf dem Vorplatz der Kirche veranstaltet. Und nicht selten wird ein Fest vom Priester eröffnet, um damit die religiöse Bedeutung der Feier zu unterstreichen.

Eine Panigiria auf KorfuGesellschaft
Heutzutage stellen die Panigiria immer noch einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens Griechenlands dar. Alt und Jung, Reich und Arm, Mann und Frau begegnen sich hier und tanzen fest ineinander verankert, miteinander im Tanzkreis. Immer noch geht es um sehen und gesehen werden. Und in vielen Dörfern gibt es noch Rangfolgen innerhalb des Tanzkreises, die die Hierarchie des Dorfes spiegeln.

Unterhaltung
Der Kreistanz ist das prägende Merkmal aller Panigiria. In allen Regionen Griechenlands wurden und werden die Tänze der jeweiligen Region getanzt, und zwar stundenlang bis in die frühen Morgenstunden. Die Volkstänze und -lieder sind für Griechen jedoch nicht nur Unterhaltung – sie repräsentieren auch ihre Identität. Jede Region hat ihre eigenen Lieder und Tänze, die sie von den anderen Unterscheidet. Die Tänze verfestigen somit die Kultur und damit die Wurzeln des Volkes.

Panigiria heute
Vor allem auf den Inseln aber auch in den touristischen Regionen des Festlands sind die Panigiria mittlerweile zu Publikumsmagneten geworden. Dementsprechend hat sich das Angebot an Musik, Gastronomie und Verkaufsgegenstände an die Besucher aus dem Ausland angepasst. Ihren traditionellen Charakter haben die Panigiria dadurch aber bis heute nicht verloren.

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Wer ist Maria-Efthalia?

Maria-Efthalia Tsoukis ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

Ein Kommentar

  1. Georg Kunert sagt:

    Liebe Maria,

    ich finde, es ist Zeit, Dir einmal für Deine klugen und stets interessanten und Beiträge zu danken! Ich hoffe, dass Dir die Themn nie ausgehen mögen.

    Freundliche Grüße aus dem (leider heute verregneten) Hennigsdorf
    Georg

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